Ist mein Baum noch standsicher? Acht Warnzeichen
Die meisten Bäume, die umfallen, haben es vorher angekündigt. Man muss nur wissen, wo man hinsehen soll.
Bäume fallen selten ohne Vorwarnung um. Fast immer gab es Zeichen — sie wurden nur nicht gedeutet. Die folgenden acht erkennen Sie ohne Ausbildung, wenn Sie einmal im Jahr bewusst um Ihren Baum herumgehen.
1. Pilzfruchtkörper am Stammfuß
Das wichtigste Zeichen überhaupt. Konsolenförmige Pilze am unteren Stamm oder im Wurzelanlauf bedeuten, dass im Inneren bereits Holz zersetzt wird — und zwar seit Jahren. Was Sie sehen, ist nur der Fruchtkörper; die eigentliche Zersetzung ist unsichtbar und längst weiter fortgeschritten.
Besonders ernst zu nehmen sind Arten, die den Wurzelbereich und die Stammbasis befallen, etwa der Brandkrustenpilz oder der Riesenporling. Bäume mit solchem Befall können bei völlig grüner Krone umstürzen. Wenn Sie am Stammfuß einen Pilz finden, lassen Sie den Baum ansehen — nicht irgendwann, sondern in dieser Saison.
2. Risse im Stamm oder in Astgabeln
Längsrisse, die sich über Jahre öffnen, und vor allem aufreißende Zwiesel — also die Stelle, wo sich der Stamm in zwei etwa gleich starke Stämmlinge teilt. Bei einem sogenannten eingewachsenen Zwiesel liegt Rinde zwischen den beiden Stämmlingen; die Verbindung ist dann nur ein Bruchteil so tragfähig, wie sie aussieht.
Solche Bäume müssen nicht gefällt werden. Häufig genügt eine Kronensicherung: ein dynamisches Gurtsystem, das die Stämmlinge verbindet und im Ernstfall das Ausbrechen verhindert.
3. Hohlräume und alte Wunden
Ein hohler Stamm ist nicht automatisch gefährlich — ein Rohr trägt statisch erstaunlich viel. Als Faustregel gilt, dass die verbleibende Restwandstärke etwa ein Drittel des Stammradius betragen sollte. Kritisch wird es, wenn die Höhlung nach außen offen ist, wenn die Restwand rissig wird oder wenn die Höhlung im Bereich des Wurzelanlaufs liegt.
4. Der Wurzelteller hebt sich
Gehen Sie bei Wind einmal um den Baum herum und schauen Sie auf den Boden. Wölbt sich die Erde auf der windabgewandten Seite? Reißt der Boden auf? Steht Wasser in einem frischen Spalt? Das sind Zeichen dafür, dass die Verankerung versagt. Ein Baum in diesem Zustand ist akut gefährlich.
Ebenso ernst: eine Neigung, die sich verändert hat. Ein Baum, der seit dreißig Jahren schief steht, hat entsprechendes Reaktionsholz aufgebaut und ist meist stabil. Ein Baum, der letzte Woche noch gerade stand, ist es nicht.
5. Kronenverlichtung von oben
Ein gesunder Baum ist oben am dichtesten. Wenn die Krone von der Spitze her ausdünnt, wenn Feinäste absterben und einzelne Starkäste kahl in die Krone ragen, ist die Wasserversorgung gestört — durch Trockenheit, Wurzelschäden oder Krankheit.
Nach den Trockenjahren sehen wir das im Havelland vor allem an Kiefern und Fichten. Eine Fichte, die braun wird, ist praktisch nicht mehr zu retten. Bei Laubbäumen ist mit gezielter Pflege oft noch etwas möglich.
6. Totholz in der Krone
Bei alten Bäumen gehört etwas Totholz dazu, ökologisch ist es sogar wertvoll. Zum Problem wird es über Flächen, auf denen Menschen sich aufhalten: Gehwege, Parkplätze, Terrassen, Spielbereiche. Ein abgestorbener Starkast fällt irgendwann — die Frage ist nur, wann und auf wen.
7. Bauarbeiten im Wurzelbereich
Der häufigste selbstverschuldete Baumschaden. Grabungen für Leitungen, eine neue Einfahrt, aufgeschütteter Boden, abgestellte Baucontainer: Der Wurzelraum reicht deutlich weiter als die Krone, und Feinwurzeln liegen dicht unter der Oberfläche.
Schäden zeigen sich mit zwei bis fünf Jahren Verzögerung. Wenn Ihr Baum seit dem Anbau von damals nicht mehr richtig austreibt, liegt der Grund oft im Boden.
8. Ungewöhnlich starke Fruchtbildung
Ein Baum, der plötzlich außergewöhnlich viele Samen oder Früchte bildet, steht häufig unter Stress. In der Fachsprache heißt das Angstblüte: Die Pflanze investiert ihre letzten Reserven in die Fortpflanzung. Für sich allein kein Alarmzeichen, in Kombination mit anderen Symptomen aber ein deutlicher Hinweis.
Ihre Verkehrssicherungspflicht
Als Eigentümer haften Sie für Schäden, die von Ihren Bäumen ausgehen — allerdings nicht unbegrenzt. Verlangt wird eine regelmäßige Sichtkontrolle vom Boden aus, üblicherweise zweimal jährlich: einmal im belaubten und einmal im unbelaubten Zustand. Zeigen sich Auffälligkeiten, muss eine eingehendere Untersuchung folgen.
Wer das tut und dokumentiert, ist im Schadensfall in einer guten Position. Wer einen erkennbar kranken Baum jahrelang ignoriert, nicht.
Wann Sie uns rufen sollten
Sofort bei angehobenem Wurzelteller, frischen Rissen oder hängenden Ästen nach einem Sturm. Zeitnah bei Pilzen am Stammfuß, aufreißenden Zwieseln und sichtbarem Totholz über genutzten Flächen. Gelegentlich bei allem anderen — eine Sichtkontrolle kostet wenig und beantwortet die Frage, die Sie sich seit dem letzten Sturm stellen.
Und noch einmal deutlich: Die meisten Bäume, die uns Sorge machen sollen, können bleiben. Von den Bäumen, die wir uns ansehen, muss nur ein Teil tatsächlich weg. Für die anderen gibt es Pflege, Kronensicherung oder schlicht die Auskunft, dass alles in Ordnung ist.